Grosses Publikumsinteresse an Academies

  10.08.2021 Kultur

Gstaad Menuhin Festival & Academy bedeutet, dass nicht nur eine breite Palette an Konzerten von gestandenen Künstlern angeboten werden. In den Academies feilen begabte Studenten intensiv an ihren Fähigkeiten. Die Frucht ihrer Arbeit wurde dem Publikum im Abschlusskonzert I präsentiert.

ÇETIN KÖKSAL
Ein langer, intensiver, aber äusserst interessanter Konzertabend fand seinen Anfang im sehr gut besuchten Festivalzelt. Zehn Dirigenten im Alter von 22 bis 37 Jahren führten das Gstaad Festival Orchestra an ihre Vorstellung der Interpretation der Werke heran. Dem Publikum bot sich dadurch die seltene Chance, dasselbe Orchester verschieden zu hören. Jeder zukünftige Chef setzte andere Akzente, gewichtete Präzision, Klangfülle oder Register unterschiedlich. Eine grosse Herausforderung auch für das Orchester, welches sich buchstäblich von Satz zu Satz auf einen neuen Dirigenten einstellen musste. Ein im Übrigen hervorragendes Orchester, welches nun durch alle Register hindurch höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Mozart, Prélude, Bläser
Andreas Ottensamer eröffnete mit einem lebendig, kräftig jugendlichen Adagio-Allegro aus Mozarts Sinfonie Nr. 39, das mit seinen schön ausgearbeiteten Dynamiken Freude am Spielen ausdrückte. Agata Zajac folgte im deutlichen Kontrast dazu mit einem geradlinig ernsten, gravitätischen ersten Satz aus Beethovens 5. Sinfonie. Passend dazu war auch ihr Dirigierstil, der sich auf feine, präzise Arm- und Händearbeit beschränkte. Die junge Frau verzichtete auf den – gerade bei jungen Dirigenten nachvollziehbaren – Ganzkörpereinsatz. Auch ihr ist eine in sich sehr stimmige Interpretation gelungen. Robert Kahn gab ein liebliches, rundes, spielerisches Poco Adagio aus Mozarts 36. Sinfonie zum Besten, das durch eine präzise Harmonie auffiel. Flöte, Horn und Oboe begeisterten unter dem Chef Andreas Hansson mit ihren Soli in der Eröffnung des «Prélude à l’après-midi d’un faune» von Claude Debussy und Lorenzo Antonio Iosco arbeitete schöne Kontraste mit einem Frage-Antwort-Spiel in der Ouvertüre zur Oper «Oberon» von Carl Maria von Weber heraus. Immer wieder glänzten die Celli des GFO. Jakub Przybycien gelang es im dritten Satz von Dvoráks 7. Sinfonie diesen typisch slawischen Charme hervorzubringen – eine Mischung aus Melancholie, Romantik, Hoffnung und Güte.

Nachwuchsstreicher in der Kirche Saanen
Wen die jungen Talente so richtig «gepackt» hatten, der konnte nach den Dirigenten im grossen Zelt den musikalischen Abend intimer bei Kammermusik in der Kirche Lauenen abschliessen. Dort zeigten die Absolventen der String Academy mit ihren Professoren, was sie während der letzten Tage erarbeitet hatten. Mit Ivan Monighetti (Cello) spielten Hiroki Kasai (Geige), Elena Kuessner (Geige) und Arjun Ganguly (Bratsche) Alfred Schnittkes Streichquartett Nr. 3. Das Publikum durfte sich an einem sehr ausgewogen harmonischen Musizieren mit stellenweise gar sinnlichen Zügen erfreuen. Die Interpretation des Streichersextetts Nr. 1 von Brahms fiel leider durch das überraschend nicht wirklich vorbereitet wirkende Spiel von Rainer Schmidt (Geige) auf. Schade für die Mühe der Studenten, welche dennoch ihr Bestes gaben und zuweilen mit beispielsweise sehr schönen Cellosoli glänzten. Mit den «Zwei Oktettsätze op.11» von Dmitri Schostakowitsch ging der musikalische Abend, voll von Eindrücken, fulminant auf höchstem Niveau zu Ende. Beeindruckend, was die sieben Studenten mit ihrem Lehrer Ettore Causa aus diesem virtuosen Stück herausholen konnten. Fazit des Abends: Um das Niveau des Musikernachwuchses müssen wir uns keine Sorgen machen. Im Gegenteil – ist es nicht schon fast ein wenig beängstigend, wie gut die Jugend von heute geworden ist?

Das nächste Abschlusskonzert der Gstaad Conducting Academy findet am Dienstag, 10. August um 17.30 Uhr im Festivalzelt Gstaad statt. Der Eintritt ist frei, eine Platzreservation ist jedoch erforderlich. Kontakt: Tel. 033 748 81 82

 


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