Die Standorte sind festgelegt

Fr, 24. Jul. 2020
Die Gemeinde favorisiert das Areal beim Sportzentrum/Tennishalle als Standort für Indoorangebote. Die Projektphase für ein Kulturzentrum nimmt nach der Bekanntgabe der Auflösung der Stiftung Les Arts wieder Fahrt auf. FOTO: ANITA MOSER

Die Stiftung Les Arts soll aufgelöst werden, ein Kulturzentrum in Gstaad ist aber dennoch nicht vom Tisch. Es gibt zahlreiche Ideen und Projekte – eine eigens eingesetzte nichtständige Kommission hat nun die Aufgabe, eine Mehrzweckinfrastruktur für die Bereiche Sport und Kultur zu erarbeiten und zu evaluieren. Fest steht der Standort: Gemeinde und Tourismus favorisieren die Saanematte.

ANITA MOSER
Die Standortfrage wurde bei der Evaluation von Les Arts Gstaad heiss diskutiert und das Sportzentrum, der heutige Standort des Menuhin-Festivalzeltes, kam immer wieder zur Sprache. Nun scheint die Standortfrage geklärt: Gemeinde und Tourismus favorisieren das Eisbahnareal für Outdoorangebote, die Saanematte für Indoorangebote. Es sind raumplanerische Gründe, die für die zwei Standorte sprechen, wie Verwaltungsdirektor Thomas Bollmann den Grundsatzentscheid erklärt. «Wenn wir auf die grüne Wiese bauen wollen, gehen wir grosse raumplanerische Risiken ein und verlieren möglicherweise Jahre, bis wir wissen, ob wir grünes Licht bekommen für die Einzonung. Bei einem abschlägigen Entscheid stehen wir wieder bei null.» Anders beim Gelände um das Sportzentrum/Tennishalle. «Dort besteht eine Überbauungsordnung, die schon eingezont ist. Wir wissen, dass man dort bauen kann, vielleicht braucht es die eine oder andere Anpassung, aber man kann die Fläche beplanen.»

Ideen zusammenbringen
Nach Bekanntgabe der Auflösung der Stiftung Les Arts wurden von verschiedenen Gruppierungen neue Projekte für ein Kulturzentrum ausgearbeitet. «Wir bekamen davon Kenntnis und haben alle aufgerufen, sich bei uns zu melden», erklärt Gemeindepräsident Toni von Grünigen. Eingegeben wurden neun Projekte, sechs im Bereich Kultur, drei im Bereich Sport – von einer Kongresslokalität über ein Konzertlokal bis zur Sportmultifunktionsarena. «Die Projekte wurden von verschiedenen Initianten, von Personengruppen, zum Teil von Privaten, zum Teil von Organisationen eingegeben», so von Grünigen. «Wichtig war uns, dass sich die verschiedenen Initianten kennenlernen, dass sie sich über ihre Ideen austauschen und sich allenfalls zusammenschliessen können. Wir sind deshalb mit allen zusammengekommen und haben die Projekte vorgestellt.» Vertreter von Gstaad Saanenland Tourismus und von der Gemeinde haben anschliessend die Projekte nach verschiedenen Kriterien analysiert und beurteilt. Einzelne Projekte sind bereits ausgereift, andere stehen erst am Anfang. Um dem Rechnung zu tragen, hat man bei der Bewertung verschiedene Kriterien festgelegt: Raumplanung, Finanzierung, Grundeigentümerschaft, Verkehrsanbindung usw. Bewertet wurden die Projekte nach dem Ampelsystem – grün, orange, rot. «Wir haben die Stärken und Schwächen der einzelnen Projekte abzuwägen versucht. Das wurde auch von den Initianten so akzeptiert, die Rückmeldungen sind positiv.»

Nichtständige Baukommission
Für das weitere Vorgehen wurde nun eine nichtständige Baukommission eingesetzt – analog jener, die für die Beplanung des Eisbahnareals zuständig ist. «Sowohl die Gemeinde als auch Gstaad Saanenland Tourismus stehen hinter dem Entscheid, für die Beplanung der beiden Areale nichtständige Baukommissionen zu gründen», betont Bollmann.

Die fünfköpfige Kommission – darin vertreten sind die Gemeinde, die Sportzentrum Gstaad AG sowie die Gstaad Menuhin Festival & Academy AG – hat die Aufgabe, die Entwicklung einer neuen Mehrzweckinfrastruktur für die Bereiche Sport und Kultur zu erarbeiten und zu evaluieren. Das Pflichtenheft umfasst im Weiteren die Durchführung einer Bedürfnisevaluation, die Erarbeitung eines Neubauprojekts, eines Verkehrskonzepts, eines Finanzierungskonzepts und eines Betriebskonzepts sowie die Begleitung und Realisierung des Neubaus. «Bedarfsweise werden Vertreter von Gstaad Saanenland Tourismus, vom Le Rosey sowie weitere Nutzergruppen wie beispielsweise die Country Night usw. beigezogen», erklärt Bollmann.

Projekt Tunnel, Busbahnhof und Parkhaus hat nicht oberste Priorität
Im Zusammenhang mit dem Kulturzentrum Les Arts stand auch ein Projekt zur Verkehrsentlastung von Untergstaad zur Diskussion. Geplant ist ein Tunnel vom Schützenkreisel her samt Busbahnhof und Parkhaus auf dem Tanklagerareal. «Das Projekt wurde unabhängig von Les Arts geplant», betont Gemeindepräsident Toni von Grünigen. Zu diesem Zweck sei damals der Schützenkreisel gebaut worden. «Das Projekt bleibt eine Option, ist aber nicht mehr im Zusammenhang mit einem Kulturzentrum vorgesehen», erklärt von Grünigen. Im Moment habe das Projekt aber nicht oberste Priorität. «Auch finanzielle Komponenten spielen eine Rolle bei der Priorisierung von Projekten», ergänzt Bollmann.

Ganz vom Tisch ist auch Les Arts nicht. «Die Auflösung der Stiftung bedeutet nicht das Aus für das Projekt», so von Grünigen. «Allfällige Interessenten könnten die Pläne wieder aufnehmen – sie müssten aber wieder bei null anfangen.»

Zeitlicher Rahmen noch offen
Auf einen zeitlichen Rahmen für die Realisierung eines Projektes als Ersatz für das Menuhin Festivalzelt verzichtet man vorläufig. «Der Anfang ist gesetzt, das Ende noch nicht …», schmunzelt von Grünigen. (Siehe auch unter «Aus dem Gemeinderat Saanen», Seite 6/7)

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