Andrea Scherz steuert die Leading Hotels

  11.01.2022 Gstaad

Andrea Scherz ist seit Neujahr Verwaltungsratspräsident der weltweit tätigen Leading Hotels of the World. Bereits zum zweiten Mal liegt das prestigeträchtige Amt in den Händen der Familie Scherz.

BLANCA BURRI
400 Hotels in 73 Ländern zählt Leading Hotels oft he World. Darunter auch das Park Gstaad und das Gstaad Palace. Verwaltungspräsident ist traditionsgemäss ein Schweizer, vorzugsweise Hotelbesitzer eines unabhängigen Familienunternehmens. Dieses Kriterium erfüllt Andrea Scherz vom Gstaad Palace vollumfänglich. Er hat das Amt mit dem Jahreswechsel übernommen. «Es ist eine grosse Ehre, diese prestigeträchtige Organisation zu führen», sagt der 52-Jährige. Er übernahm die Funktion von Baur-au-Lac-Besitzer Andrea Kracht (zehn Jahre). Von 1974 bis 1989 hatte Andrea Scherz’ Vater Ernst Scherz das Steuer der seit 94 Jahren bestehenden Vereinigung der besten Hotels der Welt in der Hand.

Als Teenager überwältigt
Physisch kennengelernt hat Andrea Scherz die Leading Hotels als 14-Jähriger. Sein Vater, damals Verwaltungsratspräsident, nahm seine Familie mit nach New York, wo sich die Geschäftsstelle befindet. Es war Andreas erster Besuch im Big Apple. Er erinnert sich an eine Sitzung in der eindrücklich eingerichteten Geschäftsstelle. Technische Hilfsmittel waren Computer, Beamer und Leinwand. In den Achtzigerjahren, als Hellraum- und Diaprojektor zu den technischen Höhepunkten der meisten Schulstuben und Konferenzen zählten, waren PC und Beamer für den jungen Scherz ein Blick in die Zukunft: «Ich fühlte mich wie auf einem fremden Planeten.» Beeindruckt war er auch von der Reservationszentrale mit 50 Arbeitsplätzen, an denen die Telefonapparate unaufhörlich klingelten. Sein Vater war Geburtshelfer des Computerzeitalters, hält er fest. Unter seinem Regime wurde das Global-Distribution-System eingeführt, das Reiseagenturen und Hotels digital verbindet. Im Weiteren hat er eine Expansionsstrategie verfolgt.

Teuer, aber wirkungsvoll
Um Partner der Leading Hotels zu sein, muss man tief in die Tasche greifen. Der Grundtarif liegt pro Hotelzimmer bei rund 1500 Franken. «Das Gstaad Palace entrichtet rund 160’000 Franken Mitgliedschaft pro Jahr», gibt der Gstaader Einblick. Zusätzlich können weitere Dienstleistungen gebucht werden. Die Leading Hotels garantieren als Gegenleistung ein Zehnfaches an Reservierungsumsatz. «Ich vergleiche die Abgaben gerne mit einer Buchungsgebühr, wie wir sie auch an andere Partner entrichten», so der Hotelier, «ähnlich wie die Buchungsgebühren auf einer Hotelplattform wie Booking.com.» Wert sei es der Betrag allemal, denn es gebe noch weit mehr Vorteile, Mitglied zu sein. Wichtigster ist wohl das Qualitätssiegel der Leading Hotels. Zudem sei das Netzwerk mit Kollegen über die ganze Welt zentral. Man könne sich mit ihnen austauschen, bei einem Besuch Fachgespräche führen und Freundschaften pflegen. Ein weiterer positiver Aspekt sei die Dienstleistung wie Covid-Schutzkonzept, Loyalitätsprogramm oder Mitarbeiterschulung. Natürlich sei der Zugang zu allen Travel Agents auf der ganzen Welt garantiert, sodass jedes einzelne Hotel einfach individuelle Verkaufsmassnahmen treffen könne.

Qualitätsansprüche sind hoch
Dass neben dem Park Gstaad und dem Gstaad Palace weitere Hotels aus dem Saanenland in den engen Leading-Hotel-Kreis aufgenommen werden, ist unwahrscheinlich. «Wir möchten die Qualität der Hotels weiter heben, weshalb wir im Moment bewusst mehr Abgänge als Zugänge haben», sagt Andrea Scherz. Die Qualität wird durch den Besuch einer Mystery-Person geprüft. Wer die Vorgaben nicht erfülle, fliege raus, so der neue Verwaltungsratspräsident. Dass Humor und Witz trotz strenger Vorgaben bei den Leading Hotels nicht fehlen, zeigt der Imagefilm zur Übergabe. Andrea Scherz übernimmt auf einem Kursschiff auf einem Schweizer See das Steuer von Andrea Kracht, alles mit einem Augenzwinkern, denn sogar der verstorbene Ernst Scherz grüsst fröhlich aus einem Bilderrahmen – ganz nach Hogwarts-Art. Sympathisch.

Video: https://tinyurl.com/bd8fh3es


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